Altersabteilung



27 Mitglieder, Altersdurchschnitt 73,2 Jahre und "unentschuldigt hat noch niemand gefehlt", betont Siegfried Kellner, Chef der Altersabteilung in der Ortsfeuerwehr Bodenwerder. Viele sind Ehrenmitglieder der Stützpunktwehr. "Ab 70 Jahre kann man das werden", sagt Ronald Hübner auf alte Kommandobeschlüsse zurückblickend. "Aber nur dann, wenn man sich das auch verdient hat", schickt Siegfried Kellner energisch hinterher. Altersabteilung der Feuerwehr Bodenwerder - ein Bericht über Haudegen, vergangene Zeiten, soziale Verantwortung und starke Kameradschaft.

Es gibt Namen in der Ortsfeuerwehr Bodenwerder, die sind untrennbar mit der Zeit verbunden, als die heute Aktiven noch Kinder waren. Günter Bock und Hermann Niehaus sind zwei davon. Sie sind das, was man im Volksmund wohl ein Original nennt. Das Gerätehaus mit dem hohen Schlauchturm in den 70er Jahren stand damals noch am Münchhausenplatz. Bock war Ortsbrandmeister, Niehaus sein Stellvertreter, Alarmfahrer und Chef des Bauhofes - alles in einer Person. Der Neubau der Wache im Gewerbegebiet war rückblickend der Auslöser für die Gründung der Altersabteilung. "Die meisten der Gründungsmitglieder hatten die damalige Feuerwache noch mit aufgebaut und letztlich mit dem Abriss ein Stück Heimat verloren", sagt Ronald Hübner zurückblickend. Damit niemand nach Erreichen der Altersgrenze für den aktiven Dienst - das sind 62 Jahre - den Anschluss an die Kameradschaft verliert, war es Hermann Niehaus, der die Gründung der Altersabteilung voran trieb. Heute ist es möglich, bereits mit 50 Jahren - parallel zum aktiven Dienst - Mitglied der eingeschworenen Truppe zu werden. Es gebe viele, die zweigleisig fahren, weil sie sich nicht mehr ständig - vor allem als Atemschutzträger - durch die jährlichen Gesundheitsüberprüfungen quälen wollen. "Irgendwann nimmt die Leistungsfähigkeit eben ab", bemerkt Hübner mit einem Schulterzucken.

Laut Gesetz mit 62 zu alt, um als aktiver Feuerwehrmann zu Brand- und Hilfeleistungen auszurücken. Genau das richtige Alter, um das Vereinsleben innerhalb der Wehr voran zu bringen und sich auch weiterhin für die Gemeinschaft Bodenwerders einzusetzen - nur mit anderen Mitteln. Schließlich wird die Feuerwehr gerne als wichtiges Kulturgut auf dem Land bezeichnet - spätestens dann um so eindringlicher, wenn wieder Wehren zusammengelegt werden sollen. Kellner und Hübner schätzen, dass die Altersabteilung in Bodenwerder die stärkste im Landkreis ist. Für beide sei es "mal interessant zu wissen, ob es in Niedersachsen eine zweite in dieser Größenordnung gibt". Martin Frese gehört zur nachfolgenden Generation, die die alte Wache noch als Kind kennen. Heute ist er Ortsbrandmeister und froh darüber, dass die Altersabteilung viele repräsentative Aufgaben ganz selbstverständlich übernimmt - und wenn es der Besuch runder Geburtstage oder auch Beerdigungen ist. "Überall da, wo wir als Wehr gesehen werden sollen, weil wir es wollen und weil es von uns einfach auch erwartet wird." Frese betrachtet die Abteilung deshalb eben nicht als geduldetes Kaffeekränzchen. "Die Mitglieder machen weiterhin aktiven Dienst im Rahmen ihrer Möglichkeiten." Dieses Engagement verschaffe der aktiven Truppe mehr Luft und Spielräume für den eigenen Dienstbetrieb. Bemerkenswert findet es Frese, wie es den "Haudegen" von früher gelungen ist, die Kameradschaft aus der aktiven Zeit mitzunehmen. "Der Zusammenschluss war sehr eng, weit aus enger als heute", sagt Siegfried Kellner zurückblickend. Nach wie vor gehen sie in Uniform geschlossen zu runden Familienfeiern. Wer körperlich nicht mehr so agil ist, der bleibt nicht zu Hause, sondern wird abgeholt. Was sich zur aktiven Zeit geändert hat? Die Frauen - und auch Witwen - sind bei vielen Veranstaltungen jetzt selbstverständlich mit dabei.

Artikel erschienen in der Dewezet am 26.05.2010, verfasst durch Thorsten Sienk